Allgemein · Nachdenkliches

Chaos und Kreativität- geht das wirklich zusammen?

Das Häkeln, meine Gedanken dazu, meine Planungen und Ideen geben an sich schon großes Chaos in meinem Gehirn. Da versuche ich ständig, in meiner Wohnumgebung, die ja auch Arbeitsumgebung ist, Ordnung und Struktur zu bewahren.
Und ich habe gelernt, nicht fertige Teile oder Projekte, mit denen ich nicht weiter komme, in Kisten hinter Türen zu verbergen.
Dennoch, manchmal brauche ich Woll- Chaos, weil ich intuitiv passende Farben aussuchen will. Dann müssen diese Farben auch direkt vor mir liegen. Und nicht etwa auf dem Boden, in Sesseln oder auf dem Sofa.
Nein, schon in Kisten und nur auf meinem Arbeitstisch. Etwa so:

Chaos und Kreativität-geht das wirklich zusammen?

Es gibt Leute, die brauchen mehr Chaos um sich herum, sagen sie. Ich glaube das nur teilweise. Getreu dem alten Spruch, wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen, bleiben manche Menschen im Chaos und in der Unordnung, weil sie im Moment gar nicht wissen, wo sie das, was ihnen wichtig ist, hinräumen können.
Auf dem Bild oben habe ich mir bewußt alle Möglichkeiten vor Augen gestellt, damit ich mich intuitiv mit passenden Farben verbinde. Da ich recht klein wohne, Ordnung brauche und auch will, sind alle Kisten schon wieder verstaut.
Wenn ich eine größere Wohnung hätte, mit einem Zimmer nur zum Arbeiten— womöglich hätte ich dann auch mehr offen herum stehen, weil ich, wenn ich den Raum verlasse, eine Tür schließen kann.

Das ist ein Download von Pixabay. So oder ähnlich würde ich gerne kreativ arbeiten

Also ganz ehrlich: so ein Raum oder ein Keller oder das Hinterzimmer eines Ladens…. das wäre echt ein Traum von mir. Ich behalte diesen Wunsch mal im Kopf oder lieber noch im Herzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche Herzenswünsche tatsächlich in Erfüllung gehen, aber nur dann, wenn wir sie nicht mit Zweifeln füttern.

In diesem Sinne, verbindet euch mit euren Träumen und Wünschen.
Macht es wie ich: bleibt im Flow

Allgemein · Nachdenkliches · Was Lustiges

Wenn meine Schneiderpuppe rebelliert

Es begann im letzten Sommer, der ja so lange so heiß war. Ungeachtet der nicht schwindenden Wärme, begann ich schon wieder herbstliche Tücher zu häkeln.
z.B. Autumn Seaside

Detail2

Die Anleitung zum Autumn Seaside gibt es hier
Und wie ich das schon seit langen mache, drapiere ich das Tuch foto- und werbewirksam um die Schultern meiner Schneiderpuppe, die ich liebevoll Püppie nenne. Danach strickte ich einen fast fertigen Loop zuende und warf ihn ihr ebenfalls über. Also nur zur Aufbewahrung. Und dann kam es zum Eklat. Ich zitiere die Geschichte einmal wörtlich aus meinem Facebook- Post, den ich in meiner Not schrieb.

Crochetta- Häkeldesign
Gepostet von Andrea Stertz12. Oktober um 19:05

Also ich muß das jetzt mal loswerden:
Ich lebe ja alleine, bis auf meine Schneiderpuppe. Die steht immer still in der Ecke rum, lässt sich an- und ausziehen und auch fotografieren.
Doch heute- liegt es am Wetter?- beginnt sie zu rebellieren.
Erstens sagt sie: „Ich gehöre dir nicht, ich bin eine Leihgabe“.
Ok, da hat sie recht, meine langjährige Strick- Freundin hat sie mir geborgt, und jetzt ist sie immer noch da.
Und zweitens: „Ich habe es satt, bei dieser Hitze unter dem Herbsttuch und einem darüber geworfenem Loop zu schwitzen“.
-Schneiderpuppen schwitzen???-
Drittens sagt sie, „ich will Strand- Feeling, ich will den endlich fertig gehäkelten Strand-Poncho tragen, am Liebsten mit Bikini drunter.“
Jetzt werde ich ungeduldig. Bikini geht nicht, hab ich nämlich nicht.
Meine Püppie regt sich echt auf, stampft mit dem Fuß, und da das auch nicht wirklich geht, kippt sie mir einfach in die Arme.
Ich hole den Strand- Poncho, eine Auftragsarbeit und eine Überraschung auch noch dazu. Als ich ihn überziehe, kommt er erst richtig zur Geltung. Irgendwie hatte Püppie recht. Beim Fotos machen mischt sie sich schon wieder ein.
Sie sagt: „Die Leselampe nebendran ist bereit, als Arm zu fungieren, nur fürs Bild“.
Ok. Noch ein Bild und eine weitere Drehung, dann ist alles im Kasten.
Seitdem ist Ruhe bei mir. Vielleicht sollte ich mal wieder raus gehen und andere Menschen fragen, wie sie so mit ihren Einrichtungsgegenständen kommunizieren…….

Poncho3
Dieser Kaftan war ein Geschenk für meine Schwester, sie hatte es sich gewünscht. Und ich habe es aus Lana Grossa 365 Cotone gehäkelt nach der Anleitung aus dem Heft Filati, ein Sommerheft. Leider habe ich kein Datum gefunden, ich gehe aber davon aus, dass es von 2018 ist.

Ok, das war mit viel Schalk im Nacken und auch nicht wirklich ernst gemeint. Viele Menschen habe ich unterhalten damit, das ist das wichtigste. Und- ich gehe mit meiner Schneiderpuppe einfach respektvoller um. Eine Frau hat mir bei Facebook erzählt, dass ihre Puppe nicht mehr so „nackt“ unter filigranen Tüchern aussehen will, die bekam ein Kleid.
Heute ist gerade mein Tuch Martinus fertig geworden, und bevor ich das meiner Püppie übergehängt habe, habe ich zunächst ein  T-shirt von mir gesucht.
sie hat nur gebrummelt: „Das ist fast zu groß für mich.“
Die ist auch nie zufrieden. Ich schon, so angezogen kommt sie wesentlich seriöser rüber

IMG_0004

Und zum Schluß zeige ich noch das aktuelle Ergebnis des heutigen Shootings:

Header

Mein ganz neues Tuch Martinus, das findest du hier

Das war es von mir und meiner Püppie, und falls es wieder Neuigkeiten gibt oder Konflikte, an Prügeleien will ich gar nicht denken, … dann werde ich ganz sicher darüber berichten. Und jetzt mache ich weiter.
Mach es wie ich, bleib im Flow

Allgemein · Nachdenkliches

Fäden vernähen

Fäden Vernähen

Heute schreibe ich über eines der unangenehmsten Themen beim Handarbeiten:
das Vernähen der Fäden.
Es ist wichtig, es gehört dazu und ja, es ist ganz vielen Leuten lästig.
Wenn du gerne kochst oder backst, musst du hinterher aufräumen. In jeder Werkstatt entsteht Abfall, der entsorgt werden muss. Beim arbeiten mit Wolle bleiben Fäden hängen, die sorgfältig in das fertige Stück integriert werden müssen. Manche Leute sagen dazu sogar „Fäden verstecken“.

Wenn du einen Schal häkelst oder eine einfarbige Mütze, dann gibt es am Anfang und am Ende je 1 Faden. Die zu vernähen, sollte niemanden stressen. Die wirklich bunten Stücke hinterlassen ein wüstes Durcheinander an Fäden, die einem komplett die Lust an der gesamten Arbeit vermindern. Besonders große Decken aus Wollresten oder Einzelstücken lassen ein unentwirrbares Chaos an Fäden zurück.

Fäden vernähen
Rückseite eines Grannys

Manche beinahe fertige Arbeit ist in einer Ecke gelandet, weil das Nacharbeiten und schön machen ein ungeheurer Arbeitsaufwand zusätzlich wäre. Bevor deine besten Stücke, die ja schon beim Häkeln viel Liebe und Sorgfalt erfahren haben, nur wegen der übrigen Fäden in eine dunkle Ecke wandern, sage ich dir, es gibt

Lösungen, um das Vernähen zu strukturieren

Fäden vernähen in Etappen

Stell dir vor, du hast ganz wunderbare Blüten oder Grannys entdeckt, mit denen du erstens deine Wollreste verbrauchen kannst und zweitens ein größeres Häkelstück damit kreieren kannst. Häkle ca 10 dieser Elemente und kümmere dich um das Vernähen.

Fäden vernähen
Rückseite eines Mandalas

Ich nehme mir gerne am Tag, gleich früh am Morgen genau dafür Zeit. Auch Morgenmuffel werden erkennen, dass der frühe Tag, wenn unser Gehirn ausgeschlafen ist, die Augen noch gut funktionieren und der Alltag uns noch nicht komplett in seinem Würgegriff hat, also dass genau diese Tageszeit optimal ist, einige Fäden zu vernähen.

Fäden gleich mit einhäkeln

Eine weitere wirklich gute Methode ist, die Fäden gleich beim Häkeln mit einzuarbeiten. Vor allem, wenn du dichte Reihen oder Runden aus festen Maschen oder Stäbchen häkelst, ist es sehr leicht, den vorherigen Faden hinter der Arbeit ein Stück weit mitzuführen und ihn beim Häkeln einfach mit zu umhäkeln.
Sind die Reihen oder Runden lockerer gehäkelt oder werden immer mal wieder Maschen übersprungen, dann geht das einfach nicht so gut, weil der Faden hinten dran sichtbar ist. Also ich mag das eher nicht.
Eine seltene, aber auch mögliche Lösung ist ein wunderbarer Mensch in deiner direkten Umgebung, der sagt: gib mal her, ich vernähe es dir.

Fazit

Da mir das Thema „Vernähen“ so wichtig ist, habe ich ein Video dazu gedreht. Es zeigt, wie du vernähst und auch, wie du Fäden beim arbeiten mit einhäkeln kannst.
Du findest es hier
Häkle, probiere aus, erfinde, gestalte und kümmere dich auch um eine saubere Endverarbeitung. Das gehört einfach dazu und dein fertiges Projekt wird dir und  anderen Menschen viel Freude bereiten.

In diesem Sinne, mach es wie ich und bleib im Flow.

 

Allgemein · Nachdenkliches

Häkeln ist mehr als nur ein Hobby

An manchen Tagen bin ich nicht rastlos am häkeln, am schreiben und am posten meiner Arbeiten. Da bin ich nachdenklich, weil ich vielleicht in meiner Umgebung oder auch in meiner Familie Dinge erlebe, die es verdient haben, dass ich darüber nachdenke.
Ich fühle mit, ich möchte helfen, und ich weiß genau, das geht gerade nicht.

Auch in diesen Momenten ist häkeln gut für mich. Wenn das jemand liest, der strickt, webt oder näht, natürlich gilt das für jeden handarbeitenden Menschen.
Unvollendete Dinge sind genug da. Ich nehme gerne das, das kurz vor der Vollendung steht. Ich mache es mir bequem, mit Kaffee oder Tee und bringe mich mit dem reinen Häkeln, ohne dass ich dabei an das Veröffentlichen denke, in eine Ruhe, die mir Raum und Zeit gibt, meine Gedanken zu sortieren.

Früher haben die Menschen auf der Veranda oder der Parkbank gesessen und nachgedacht. Viele sind am Sonntag in die Kirche gegangen, haben dort gebetet und der Musik gelauscht oder mitgesungen. In unserer heutigen und so rastlosen Welt nehmen sich immer weniger Menschen dafür die Zeit. Viele andere Dinge scheinen wichtiger, die Arbeit, die Verpflichtungen aller Art, der mit Terminen überfüllte Tag, der kaum Raum bietet zum Atem holen.

Vor vielen Jahren war ich häufig in der Kirche, und ich weiß, dass es mir gut getan hat. Gebete begleiten mich immer noch, doch im Häkeln finde ich einen wunderbaren Einklang zwischen den Händen, die von ganz alleine wissen, was sie tun sollen und den Gedanken, die frei fließen können.
Dann trauen sich auch die Gefühle nach oben zu kommen. Manchmal werde ich versöhnlich, wo vorher Wut war, manchmal muss ich sogar weinen, wenn mich etwas berührt. Meine Hände arbeiten fleißig weiter, die Wolle gleitet durch meine Finger und das Häkelstück wächst fast von alleine.

crochet-450724_1920

Irgendwann lache ich ein wenig  über mich selber und bleibe innerlich verbunden mit denen, die es gerade schwer haben. Ich kann dann auch die Häkelarbeit wieder hinlegen und mich um den verpflichtenden Teil meines Lebens kümmern, wie arbeiten gehen, Wäsche waschen oder die Küche aufräumen.
Spätestens am nächsten Tag melden sich meine kreativen Geister wieder und wünschen sich von mir neue Projekte. Da ich mir diese Pause gegönnt hatte, geht es sehr entspannt weiter. Und ich bin weiterhin im Flow, der mich trägt.

Macht es einfach wie ich: bleibt im Flow

P.S. Die Bilder habe ich bei pixabay heruntergeladen